Wieso Wahlen ab 16 uns nicht weiter­bringen 

Datum
06. November 2023
Autor*in
Ali Shafiee
Thema
#Politik
Bundestagsbild

Bundestagsbild

Foto: Pixabay / Felix Mittermeier

In einer Welt, in der poli­ti­sche Diskus­sionen oft von ober­fläch­li­chen Tweets und pola­ri­sie­renden Schlag­zeilen bestimmt werden, stellt sich die Frage: Wie können wir sicher­stellen, dass die Jugend nicht nur an der Ober­fläche der poli­ti­schen Parti­zi­pa­tion kratzt, sondern wirk­lich zum Kern unserer Demo­kratie vordringt? Hilft es, allein das Wahl­alter auf 16 Jahre abzu­senken? Nein. Ein Kommentar. 

Krieg, Klima­wandel, Infla­tion, Popu­lismus und Spal­tung der Gesell­schaft. Aktuell sind wir in turbu­lenten Zeiten, in vieler Hinsicht. Eine Alters­gruppe treffen die Krisen beson­ders: die Jugend. Da ist es doch eigent­lich ein Gebot unserer Demo­kratie, die jungen Leute mit einzu­binden, oder? Ja, das ist es. Auf diversen Wegen, insbe­son­dere auf kommu­naler Ebene, wird das auch prak­ti­ziert. Durch Jugend­bei­räte, Jugend­or­ga­ni­sa­tionen, die auch bei der Mutter­partei etwas zu sagen haben, und durch viele andere Möglich­keiten wird der Jugend eine Stimme gegeben. 

Auf Bundes­ebene hingegen gibt es kaum direkten Einfluss von Jugend­li­chen auf die Entschei­dungen der im Durch­schnitt fast fünf­zig­jäh­rigen Abge­ord­neten. Und hier kommt die Idee des Wahl­rechts ab 16 Jahren ins Spiel. Wenn mehr Jugend­liche wählen dürften, müsste die Politik auch um die Stimmen der 16- und 17-Jährigen ringen und somit würden auch die Inter­essen der jüngeren Wähler*innen mehr beachtet, so die Argu­men­ta­tion. 

Doch der Teufel steckt im Detail. Jugend­liche sind tenden­ziell leichter zu beein­flussen. Insbe­son­dere die sozialen Netz­werke sind ein Kata­ly­sator für Falsch­in­for­ma­tionen, Irre­füh­rung und mani­pu­la­tiver Meinungs­mache. Aber auch spricht der Bildungs­stand vieler Jugend­li­chen mehr gegen die Einfüh­rung vom Wahl­alter 16 als dafür.

Der Krefelder FDP-Bundes­tags­ab­ge­ord­nete Otto Fricke sagt dazu: ​„Es geht nicht primär um die Frage der vermeint­lich rich­tigen und verant­wor­tungs­vollen Entschei­dung, sondern um die demo­kra­ti­sche Teil­habe.“ Doch für die demo­kra­ti­sche Teil­habe ist ein gewisses Funda­ment an Bildung und poli­ti­schem Verständnis notwendig. Diese fehlen jedoch in der breiten Masse der 16- und 17-Jährigen. Und Jugend­liche, die die hypo­the­tisch gewählten Parteien nicht kennen, sind keine Berei­che­rung für unsere Demo­kratie. Ist uns unsere Demo­kratie nicht mehr wert als nur eine höhere Quan­tität an Wähler*innen? 

Dieses Problem zu lösen, bedarf erheb­li­cher Anstren­gungen und ein Wandel des Bildungs­stands wird nicht über Nacht geschehen. Die poli­ti­sche Bildung muss einen bedeu­tend höheren Stel­len­wert erhalten. Infor­ma­tionen und Bildungs­an­ge­bote müssen ausge­weitet werden, um kriti­sches Denken zu fördern. Es ist zwar klar, dass es nie die ​„perfekte Wahl“ geben wird, denn diese exis­tiert nicht. Doch wenn die Wahl auf gründ­li­cher Recherche, kriti­schem Hinter­fragen und unvor­ein­ge­nom­mener Meinungs­bil­dung basiert, dann wurde alles richtig gemacht. Genau das sollte unser Ziel sein. 
Ali Shafiee ist Mitglied bei der Jungen Union und der CDU. 

Disclaimer: Der Artikel spie­gelt ausschließ­lich die Meinung des Autors wider und nicht die der Projektpartner*innen des Jugend­me­di­en­work­shops im Deut­schen Bundestag 2023 (Jugend­presse e.V., Bundes­zen­trale für poli­ti­sche Bildung, Deut­scher Bundestag).


Empfohlene Beiträge